Gottes-Sohn.com Band 1: Kindheit, Jugend und Mallorca

12. Dezember 2009
 
icon for podpress  Gottes-Sohn.com [31:11m]: Play Now | Play in Popup | Download

Cover Gottes-Sohn.comGott hat sich nach zweitausend Jahren überlegt, die Welt erneut mit einem Sohn zu beglücken, der endlich die Menschen wirklich retten soll. Doch auch ein Sohn Gottes muss das Göttliche erst noch lernen. Über Eckernförde und Kiel führt sein Weg bis auf das ferne Mallorca.

Es ist die Geschichte von Immanuel, über seine Kindheit, Jugend und die Zeit als Animateur in einem Ferienclub. Ein großer Spaß für die ganze Gemeinde.

Diese Folge enthält 3 Kapitel aus dem Roman, gelesen vom Autor (also von mir…).

(z. B. erhältlich bei Amazon.de für 9,90 Euro)

Autorenseite mit Leseprobe: www.gottes-sohn.com

The Christmas Bus / Hannas Weihnachtsgäste

07. November 2009
 
icon for podpress  The Christmas Bus / Hannas Weihnachtsgäste [06:44m]: Play Now | Play in Popup | Download

christmas1Eine harmlose aber dadurch beruhigend angenehm lesbare Geschichte von Melody Carlson über die Vorbereitungen auf Weihnachten in einer Gastwirtschaft mit Kirchenanschluss. Auch im englischen Original gut zu verstehen (und für den Kindle zurzeit bei Amazon für ca. 2$ herunterladbar).

Die Beschreibung der Geschichte vom Verlag: Weiterlesen »

Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg

03. November 2009
 
icon for podpress  Ich bin dann mal weg [05:34m]: Play Now | Play in Popup | Download

wegWenn zurzeit der Jakobsweg in Spanien nach Santiago de Compostela von Deutschen überrannt wird, dann dürfte das vor allem an Hans Peter Kerkelings Werk „Ich bin dann mal weg“ liegen. Seit vielen Monaten ist es von den Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Inzwischen dürfte diese Buch und dessen Folgen seine Popularität als Komiker und Fernsehstar noch übersteigen. So hat er sogar bekannt gegeben, demnächst nur noch schriftstellerisch tätig zu sein.
Der Inhalt des Buches ist schnell beschrieben. Herr Kerkeling macht sich im Sommer 2001 als Pilger und damit als Fußgänger auf den Weg durch Spanien nach Santiago de Compostela. Ein Weg, der zur inneren Erleuchtung und tiefen Erkenntnissen führen soll. Während seiner Tour schreibt er Tagebuch und so erfährt man nicht nur von seinem Kampf mit dem Weg, sondern vor allem auch viel über die Landschaft, Städte, Einwohner und vor allem die anderen Pilger. Hier und da gibt es noch ein paar Einblicke in das Leben des HaPe Kerkeling vor seinem Aufbruch, insbesondere sein Werdegang zum professionellen Fernseh-Komiker.

Das Buch liest sich ausgesprochen flüssig und leichtfüßig, ganz im Kontrast zu den Leiden, die der Protagonist bei seinen Wanderungen erdulden muss. Was die Beschreibung für mich besonders sympathisch macht, ist, dass hier nicht verbissen und mit dem erhobenen Zeigefinger ein Weg zu Gott und zum Mystischen erzählt wird. Vielmehr gibt Kerkeling frei zu, dass er keine Lust darauf hat, in den sog. Refugien auf einfache Art zu schlafen, sondern vielmehr Hotels bevorzugt. Wird es all zu anstrengend, gerade am Anfang der Tour, nimmt er auch mal Bus oder Zug. Die Beschreibung der Findung des eigenen Ichs wird dabei nicht als Wunder dargestellt. Vielmehr wundert sich Kerkeling, was ihm so passiert und insbesondere welche Zufälle sich ereignen. Ein ums andere Mal fragt man sich als Leser jedoch schon, ob das wirklich alles genau so geschehen ist. Das Zusammentreffen von perfekt ineinander greifenden Ereignissen könnte die Vermutung nahelegen, dass doch ein höheres Wesen, oder doch zumindest der Autor, hier und da ein wenig nachgeholfen hat. Aber wenn es in dem Buch so steht, dann wird es schon stimmen …

Davon losgelöst macht das Lesen der Beschreibungen gerade von skurrilen Mit-Wanderern unterschiedlicher Nationen viel Spaß. Gerade der Aufbau von kleinen Running-Gags gelingt wunderbar. Und wenn Kerkeling zu den inneren Erfahrungen und Gedanken kommt, dann wirkt das nicht aufgesetzt, sondern ehrlich und nachvollziehbar. Ihm und dem Leser ist klar, dass hier nicht zwingend göttliche Wunder vonstatten gehen, sondern vor allem menschliche Prozesse, die jedem widerfahren können … wenn er es denn zulässt.

Somit eignet sich dieses Buch für Vieles: als Reiseführer für die eigene Pilgertour, als leichte Urlaubslektüre und durchaus auch zum Nachdenken. Ein Glücksfall für alle, die gerne Reiseberichte lesen. Und wie der Autor ist man doch ein wenig traurig, dass mit Ankunft in Santiago de Compostela Schluss ist. Sein zweiter Bestseller „Ein Mann, ein Fjord“ kann da leider nur bedingt drüber hinweg trösten. Kommt dieser mit seiner rein fiktiven Geschichte doch bei weitem nicht an das Mitreißende von „Ich bin dann mal weg“ heran. Es ist zu hoffen, dass es Kerkeling mal wieder in die Ferne zieht.

(Das Buch ist inzwischen als Taschenbuch z.B. erhältlich bei Amazon)

Wer länger lebt, ist später tot: Operation Zombie

10. Oktober 2009
 
icon for podpress  Wer länger lebt, ist später tot: Operation Zombie [09:56m]: Play Now | Play in Popup | Download

operationzombieFiktive Berichte über eine fiktive Zombie-Seuche, die sich über die gesamte Welt verbreitet. Weder ein Horror-Groschenroman, noch Satire, sondern eine grandiose Abhandlung zu “Was wäre wenn” und wie unterschiedliche Kulturkreise auf eine solche Seuche reagieren würden. Absolut lesenswertes Buch von Max Brooks.

(z.B. erhältlich bei Amazon.de)

Auf der Universität

17. Mai 2009
 
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Heute gibt es eine Geschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in der eBibliothek, nämlich „Auf der Universität“ von Theodor Storm. Wie für Geschichten von Storm üblich, hält sich der Leseaufwand in Grenzen. Nur ca. 50 Seiten müssen durchgearbeitet werden und schon kann man behaupten, mal wieder „klassische Literatur“ gelesen zu haben. Und das ganze ist sogar noch kostenlos, wenn man auf das Gutenberg-Projekt zurückgreift. Mein Interesse an dem Buch wurde durch eine Andeutung in einer lokalen Zeitung geweckt, dass hierin Kiel, die tollste Stadt der Welt, eine Rolle spielen würde. Erwähnt wird es leider nicht, wobei man jedoch aus einigen Ortstbeschreibungen („Landesuniversität“) schnell auf Kiel schließen kann. Herr Storm hat in Kiel auch selber studiert, was die Indizienfindung weiter vereinfacht. Für mich habe ich zwei Lehren aus dem Buch gezogen: zum einen, dass Kiel um 1850 herum viel kleiner war und Wald und Flur schon da anfingen, wo heute noch nahezu die Stadtmitte ist (allerding wusste ich das schon). Zum zweiten hat es Herr Storm mal wieder geschafft, eine recht banale Geschichte über viele Seiten auszubreiten, um dann am Ende plötzlich dramatisch zu werden.

Es geht um den Erzähler Philipp, der sich als Latein lernender Oberschüler in die Handwerker-Tochter Lore verliebt. Seine Annäherungsversuche sind jedoch nur bedingt von Erfolg gekrönt, erst recht, da auch ein guter Freund von ihm ein Auge auf sie geworfen hat. Vom Schüler zum Studenten geworden trifft er sie einige Jahre später wieder. Doch steht sie da zwischen zwei anderen jungen Männern. Der Erzähler beobachtet dieses mehr oder minder nur, bis es dann wie gesagt am Ende zum Unglück kommt.

Das Buch zieht die Leselust weniger aus einer spannungsgeladenen Geschichte, sondern mehr aus der recht eindringlich beschriebenen Gefühlswelt der Menschen aus der Zeit. Dabei ist die Geschichte auch heute noch sehr gut lesbar und kann durchaus fesseln. Sie kommt einem vor wie eine kleine Zeitreise und lässt einen für einen kurzen Moment die Welt der Mitte des 19. Jahrhunderts erfühlen. Der Aufwand hierfür hält sich wie gesagt Dank der Übersichtlichkeit des Textes in Grenzen. Also warum nicht mal was Älteres lesen? Wirklich viel Erkennungswert hat die Geschichte für Kieler jedoch nicht. Auch hier bleibt es beim Erahnen. Aber mir hat das gereicht - und gefallen.

Glennkill - Ein Schafskrimi

15. Februar 2009
 
icon for podpress  Besprechung des Romans Glennkill-Ein Schafskrimi von Leonie Swann [05:34m]: Play Now | Play in Popup | Download

glennkillEine wirklich neue Idee für einen Roman zu haben fällt in Anbetracht der Massen an Neuerscheinungen jedes Jahr schwer. Frau Leonie Swann ist es 2005 mit ihrem Roman Glennkill gelungen. Belohnt wurde es mit einem monatelangen Platz auf den Bestsellerlisten durch den Verkauf von über 1,5 Millionen Exemplaren in Deutschland und einigen Literaturpreisen, wie etwa dem Friedrich-Glauser-Preis. Demnächst soll sogar eine computeranimierte Verfilmung erscheinen. Frau Swann ist 1975 in Dachau geboren, studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaften in München und lebt derzeit in Berlin.

Schon der Untertitel „Ein Schafskrimi“ weckt Interesse und schreckt gleichzeitig ab. Wo sich bei Henning Mankell und Donna Leon menschliche Abgründe auftun, da werden in Glennkill die Schafe zur Ermittlungsbehörde. Dabei ist das Todesopfer ein Mensch, nämlich ihr Schafshüter George Glenn aus Glennkill. Von einem Spaten aufgespießt gibt seine Leiche einige Rätsel auf. Dies gilt sowohl für seine Schafsherde als auch die immer mal vorbeischauenden Menschen. Nach und nach wird so das Rätsel um den Todesfall aufgeklärt, wobei der Schäfer nicht das einzige Opfer bleibt.

Die Welt der Schafe und die der Menschen bleibt in Glennkill artig getrennt. Unterhalten sich die Schafe, so kommt bei den Menschen nur Geblöke an. Ein Problem, will man als Schaf den Menschen klar machen, wer seiner Ansicht nach der Mörder von George ist. Tragendes Element ist dabei die Naivität der Schafe. Sie verstehen viele Handlungen und Gerede der Menschen falsch. Dies ist zunächst ganz lustig, wir im weiteren Verlauf der Geschichte jedoch mehr und mehr nervig. Am Anfang faszinieren auch die unterschiedlichen Schafstypen mit ihren jeweils ganz eigenen Fähigkeiten. Einige sind intelligenter als andere. Einige sind kampflustig und nur einige können sich Sachen merken. Was wie das Setting von einem Computerrollenspiel wirkt, wird in Glennkill mit der Zeit immer langweiliger. Auch fesseln die Einzelschicksale der Schafe nur bedingt. Erst gegen Ende nimmt der Roman wieder Fahrt auf, wenn nach und nach die fehlenden Puzzleteile des Rätsels hinzukommen. Dies passiert jedoch erst, wenn wieder die Menschen auftauchen, sei es bei einer Testamentsvollstreckung, rund um den Schäferwagen oder einem Klügstes-Schaf-Wettbewerb. Da Schafe eben nur bedingt unauffällig in die Welt der Menschen gehen können, müssen die Menschen eben unter mehr oder minder fadenscheinigen Gründen zu den Schafen kommen. Leider wirkt auch dieses mit wachsender Lesezeit mehr und mehr aufgesetzt.

So trägt meines Erachtens die Grundidee von Glennkill nur bedingt. Insbesondere der zähe Mitteilteil verlangt einiges an Durchhaltevermögen. 100 Seiten weniger und es wäre ein wirklich klasse Roman geworden. Ich habe das Gefühl, dass zum Beispiel bei der Darstellung der Naivität der Schafe und ihrer Missverständnisse mehr drin gewesen wäre. Statt Penetranz hätte es ja auch ein Spiegel des Menschlichen Habitus sein können. An einigen Stellen gerade am Ende blitzt dieses auch auf. An vielen anderen ist es einfach nur Dämlichkeit. Auch die Menschen bleiben bis vielleicht auf das Opfer und den Metzger eindimensional. Klüger macht Glennkill nicht. Vollständig vergeudete Zeit ist es aber auch nicht. Etwas Lesespaß am Anfang und vor allem am Ende bleibt. Gerade dort hat es durchaus seine Momente. Wem das reicht…

Ich, Gina Wild. Enthüllung.

15. Januar 2009
 
icon for podpress  Besprechung des Buchs "Ich, Gina Wild. Enthüllung" von Michaela Schaffrath [05:36m]: Play Now | Play in Popup | Download

gina-wildWenn ich schon beim letzten Mal mit „Feuchtgebiete“ in das Genre der mehr oder minder erotischen Literatur abgedriftet bin und angeblich ja Sex sells bzw. ein Podcast bekannt machen kann, so habe ich dankend einen Amazon Tipp angenommen. Denn angeblich interessieren sich viele Leser, die Feuchtgebiete gelesen haben auch für „Ich, Gina Wild. Enthüllung“. Als Autoren werden sowohl Michaela Schaffrath und Gina Wild genannt und Kenner der Szene, also vor allem Männer, wissen wahrscheinlich, dass Michaela Schaffrath bis zum Jahr 2000 Pornodarstellerin war und das Pseudonym Gina Wild verwendet hat.

Auch wenn es der Titel verheißen mag, großartige Enthüllungen darf man nicht erwarten, selbst wenn man den Begriff entsprechend doppeldeutig sehen möchte. Im Pornogeschäft geht es um Sex, Regisseure und Produzenten nutzen die Darsteller oft nur aus und Frau Schaffrath hat ihre Arbeit Spaß gemacht. Große Literatur ist das nicht und es wirkt eher, als hätte jemand einige Stunden mit Frau Schaffrath verbracht und die Erzählungen dann zu Papier gebracht. Leider hat dabei der Lektor etwas schludrig gearbeitet, denn nicht nur, dass sich einige Dinge wiederholen, auch werden Namen durcheinander gebracht und auch die Jahreszahlen sind etwas verwirrend sprunghaft. Nicht dass es wichtig ist, ob ihr Exfreund nun Michael oder Mathias hieß, aber es macht es an vielen Stell schwer, das Berichtete zu verstehen und einzuordnen. Insbesondere springt sie zwischen Erzählstengen und es wirkt, als wäre ihr gerade etwas Interessantes eingefallen, wobei dieses dann erst im Nachhinein versucht wird, irgendwie in einen Kontext zu setzen. Auch ist sie inhaltlich nicht immer konsequent. Erst beschreibt sie, wie sehr sie einen ehemaligen Produzenten hasst, dann wieder, dass sie ihm gerne mal wieder die Hand schütteln würde.

Aber vielleicht macht das dieses Buch auch wieder interessant. Es wirkt so, als wenn sie gerade am Essenstisch ein wenig aus ihrem Leben erzählt. Auch da beginnt man oft heftiger und wird dann zum Ende hin versöhnlicher, wenn man erst einmal zwei Stunden geredet hat. Und so liest sich das Buch recht flott runter und entgegen einigen Amazon-Bewertungen finde ich auch, dass hier im Rahmen der Möglichkeiten ein zwar manchmal recht naives Bild, damit aber auch eine authentischere Darstellung gelingt, als bei den Feuchtgebieten, ohne dass man die Bücher wirklich miteinander vergleichen kann. Allerdings kommt auch Frau Schaffrath nicht ohne etwas plakativere Sex-Darstellungen herum, die nicht nur gegenüber der sensibleren Hauptgeschichte aufgesetzt wirken, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes überflüssig sind. Dass sie an Sex Spaß hat, hat man schon nach wenigen Seiten verstanden. Spannender wäre es gewesen, noch etwas mehr über ihre aktive Zeit zu erfahren, insbesondere die Hintergründe des Business.

Somit ist „Ich, Gina Wild“ nichts, was man gelesen haben muss, aber durchaus unterhalten kann. Erschienen ist es bei Heyne 2004 und allerdings nicht überall mehr erhältlich. Wer es noch authentischer mag, der kann zu der CD greifen. Hier liest die Autorin selber. Allerdings endet in allen Versionen die Geschichte 2001. Wer also Enthüllungen über ihre Zeit im Dschungelcamp und ihre Beziehung zu Eike Immel erwartet, liegt hier falsch.

Feuchtgebiete von Charlotte Roche

06. Januar 2009
 
icon for podpress  Besprechung des Romans Feuchtgebiete von Charlotte Roche [05:35m]: Play Now | Play in Popup | Download

feuchtgebieteDer Roman Feuchtgebiete von Charlotte Roche dürfte mit Abstand der meistdiskutierte Roman in deutschen Talkshows und im Feuilleton 2008 gewesen sein. Zum einen war da der Umstand, dass die Feuchtgebiete gut ins deutsche Sommerloch passten. Zum anderen jedoch ließ sich trefflich aus dem Buch zitieren und schon mit ein paar Sätzen Gefühle bei den Zusehern oder Zuhörern erzeugen. Meist waren es vor allem Ekelgefühle. Die Euphorie des genüsslichen Schauderns ist inzwischen ein wenig abgeflacht und es kommen die Stimmen durch, die mit Freuden diesen Roman zerreißen. Sieht man sich die aktuellen Bewertungen bei Amazon an, so überwiegen im Moment die negativen Ein-Stern-Urteile.

Losgelöst von der Frage, ob Feuchtgebiete nun Frauenliteratur ist, habe ich mich auch als Mann an dieses Werk gewagt und wollte erkunden, was denn nun hinter Hype und Verriss steht. Und natürlich nehme ich auch gerne Hinweise an, die mir helfen, die Frauen besser zu verstehen.

Die Grundgeschichte ist schnell erzählt. Die Hauptdarstellerin Helen liegt im Krankenhaus und wurde am Anus operiert. Nun gehen ihr, während sie dort zunächst praktisch ans Bett gefesselt ist, so einige Dinge aus ihrem Leben durch den Kopf. Wir erfahren dabei nicht nur einiges über ihre Kindheit und ihr Verhältnis zu ihrer Familie, sondern auch eine ganze Reihe unappetitliche Fakten über ihre ganz individuellen Erlebnisse mit ihren diversen Körperöffnungen und -Flüssigkeiten. Dabei werden auch sehr explizite Details nicht ausgelassen, die vor allem mit ihrem Anus und den Ausscheidungsorganen zu tun haben. Auch steht Helen der Hygiene eher kritisch gegenüber und lässt uns insbesondere im ersten Teil des Buches Teil daran Teil haben, wie lustvoll sie mit Verkrustungen und Körpergerüchen umgeht. Überhaupt spielt die offene Sexualität eine große Rolle in ihrem mit 18 Jahren recht jungen Leben.

Viel mehr geschieht nicht, sieht man von dem etwas aufgesetzten Ende ab. Ich kann mir recht bildlich vorstellen, wie Frau Roche an das Schreiben dieses Buches rangegangen ist. Wahrscheinlich hatte sie die Grundidee, ein provozierendes Buch über weibliche Körperhygiene zu schreiben. Da dieses nur bedingt ein gesamtes Buch von 220 Seiten trägt, kam eben noch ein kleines Familiendrama als verbindende Geschichte hinzu. So ging es dann ans Schreiben mit den ersten Provokationen mit Abgleiten in die Geschichte. Immer wieder musste sie sich dann zur Ordnung rufen, dass sie ja provozieren wollte und schnell wieder eine mehr oder minder unvermittelte Szene einbinden, die den Leser aufschrecken soll.

Das gelingt auch. Ich muss gestehen, dass ich einige Szenen wie bei einem Horrorfilm nur mit einem zugehaltenen Auge überfliegen konnte. Dennoch habe ich das Buch durchaus mit Spaß komplett durchgelesen. Das Ende wirkte dann leider wieder etwas aufgesetzt, als wenn die Autorin nun alle Anal-, Fäkal, Rasier, Sex und Blutungsideen abgearbeitet hatte und einfach zum Schluss kommen musste.

Große Literatur ist das sicherlich nicht, unterhaltsam ist es dennoch. Ich denke, besser gesagt ich hoffe, dass ich damit nicht viel über Frauen gelernt habe. Das Buch hat durchaus seine Momente, wo sehr spaßig mit einigen Klischees gespielt wird. Einige der Ekel-Passagen lassen jedoch diese Ironie vermissen und langweilen auf Dauer. Hierin gar einen Tabubruch zu sehen, der die Welt aufschrecken und verändern soll, dürfte aber stark übertrieben sein. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand die Anti-Hygiene in dem Buch wirklich ernst nimmt, die Autorin erst recht nicht. Und selbst die Hauptfigur wird im Verlauf der Geschichte reinlicher.

Ein ordentliches Provokationsbuch, das zwar dem Hype nicht gerecht wird, aber auch nicht für Verrisse taugt. Eben ordentlich mit einer witzigen Grundidee, die etwas zu sehr in die Länge gezogen wird.

Doch bevor dieser Podcast noch weiter in die Länge gezogen wird, hier wieder am Ende der obligatorische Hinweis auf meinen Roman „Im Traum stehen alle Uhren still“ – garantiert ohne Analsex und Smegma. Den Link gibt es auf www.eBibliothek.de.

Bis zum nächsten Mal, Euer und Ihr Henry Krasemann

Die Chroniken von Narnia (insbesondere Die Reise auf der Morgenröte) von Clive Staples Lewis

05. Januar 2009
 
icon for podpress  Besprechung des Romans Die Chroniken von Narnia - Die Reise auf der Morgenröte von Clive Staples Lewis [06:19m]: Play Now | Play in Popup | Download

Titelbild NarniaLetzten Sommer war der zweite Teil von „Die Chroniken von Narnia“ im Kino und wer sich entgegen den negativen Kritiken dennoch dort erneut von der Welt Narnias hat verzaubern lassen, wird Lust auf mehr bekommen haben. Nun ist der nächste Filmteil erst für frühestens 2009 angekündigt. Das Gute an Literaturverfilmungen ist jedoch, dass die Buchvorlage schon erschienen ist. Im Fall von Narnia sogar schon seit den 50er Jahren.

War „Prinz Kaspian von Narnia“ die Verfilmung des 4. Buchs der sieben-teiligen Reihe, so ist „Die Reise auf der Morgenröte“ das darauf folgende Fantasyabenteuer. Wer bisher nur die Filme kannte, kann hier getrost einsteigen. Er wird die Personen schnell wiedererkennen. Allerdings wird er bei der Suche im Buchladen eventuell zunächst in der falschen Abteilung suchen. Die Chroniken von Narnia sind allesamt Kinderbücher und so sind sie auch geschrieben. Der Stil erinnert mit seinen kurzen einfachen Sätzen an einen modernen Auszug aus der Bibel. Der Autor gibt sich sogar Mühe damit, einzelne Begriffe zu erklären, die ein Erwachsener problemlos einsortieren kann. Die Filme wirken dagegen weit erwachsener und näher an etwa „Der Herr der Ringe“. Dass sich die Welt von Narnia und die von Herr der Ringe ab und an ähneln, überrascht nicht, wenn man weiß, dass Lewis und Tolkin befreundet waren. Tolkien strebte jedoch weg vom märchenhaften und hin zur vermeintlich erwachseneren Fantasy-Literatur. Hierüber soll wohl auch die Freundschaft der beiden Autoren zerbrochen sein.

Über die Geschichte soll nicht zu viel verraten werden. Die Ausgangslage ist, dass es einige Kinder um die Zeit des 2. Weltkriegs in England schaffen, in die Fantasy-Welt Narnia zu gelangen. Dort gibt es nicht nur Hexen, sprechende Tiere und Zwerge, sondern auch zahlreiche Abenteuer. In jedem der sieben Bücher gelangt eine andere Zusammensetzung der Kinder nach Narnia. So auch in diesem 5.Teil. Hier geht es dieses Mal darum, auf dem Schiff von Prinz Kaspian einen Teil von Narnia zu entdecken, der bisher noch unerforscht ist.

Mich hat nach meiner Freude über die Filme das Buch ein wenig enttäuscht. Dies liegt nicht nur an dem Kinderbuchstil, sondern auch daran, dass Teile der Geschichte mit wenigen Sätzen abgehandelt werden, wo ich mir mehr erhofft hätte. So gelingt es nur ab und an wirklich, beim Lesen in die Welt von Narnia einzutauchen. Es wirkt an vielen Stellen mehr wie eine Zusammenfassung, als wie eine fesselnde Geschichte. Dennoch bleibt der Reiz zu erfahren, wie es weiter geht. Dabei ist der Leseaufwand übersichtlich. Bei ca. 200 Seiten pro Band dürften 3 Stunden zum Durchlesen ausreichen. Die ungekürzten Hörbücher bringen es auf etwas über 4 Stunden.

Es ist meines Erachtens tatsächlich mal so, dass die Filme besser sind als die Literaturvorlage. Wer also wissen möchte wie es mit Narnia weitergeht, nicht bis zum nächsten Film warten möchte und mit dem Stil leben kann, kann zugreifen. Eventuell lohnt es sich sogar eher, bei Band 1 („Das Wunder von Narnia“) anzufangen, das die Vorgeschichte von dem ersten Film „Der König von Narnia“ erzählt. Gerade für den Abschluss der Reihe mit dem 7. Band („Der letzte Kampf“) ist die Kenntnis von den dort auftauchenden Personen durchaus hilfreich.

Dies war sie auch schon, die erste Ausgabe der eBibliothek. Für das Zuhören bedankt sich Ihr Bibliothekar Henry Krasemann, nicht ohne kurze Eigenwerbung: Lesen Sie auch den Roman „Im Traum stehen alle Uhren still“ oder eines der Spiele-Jahrbücher vom Magazin Gelegenheitsspieler. All dieses gibt es bei Amazon ein oder klicken Sie auf die Links auf eBibliothek.de.

Willkommen in der eBibliothek

05. Januar 2009

Mit dem 05. Januar 2009 öffnet nunmehr auch die eBibliothek im Internet ihre Pforten. Ein neuer Podcast rund um das geschriebene Wort. Nicht, dass es nicht schon einige solche Podcasts gibt, die auch noch sehr gut sind. Doch die eBibliothek hat ein paar Besonderheiten:

  • Jede Folge ist nur knapp über 5 Minuten lang
  • Beschäftigt sich mit Allerweltsliteratur
  • Und macht Werbung für Bücher des Sprechers Henry Krasemann

Ein schlagendes Konzept. Schreiben Sie doch Ihre Meinung hierzu in die Kommentar. Und nun viel Spaß!